Giorgos Seferis: Tage 1941–1944
Giorgos Seferis:
»Tage 1941–1944«
Aufzeichnungen aus dem Krieg
Aus dem Griechischen übersetzt und kommentiert von Andrea Schellinger
2026, geb., farbiges Vorsatz,
Lesebändchen, 336 S.
€ 29 [D] / € 29,90 [A] / sFr 39,50
ISBN 978-3-96160-112-7

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Buch

Von der NS-Sicherheitspolizei mit »Ausschaltung« bedroht, floh Giorgos Seferis, griechischer Dichter, Diplomat und späterer Nobelpreisträger für Literatur, 1941 vor der einmarschierenden Wehrmacht aus seiner Heimat und kehrte erst 1944, nach Stationen in Ägypten, Südafrika und Palästina, in das zerstörte und zutiefst gespaltene Griechenland zurück. Als unbestechlicher Beobachter, der Persönliches, ja Intimes mit Kommentaren zum Kriegsgeschehen weit über Nordafrika und Nahost hinaus verflicht, lässt er den Leser am literarischen und politischen Weg eines Menschen teilhaben, der Sprache als Waffe gegen Ideologie und Engstirnigkeit einsetzt. Zum ersten Mal erscheint nun auf Deutsch einer der neun Bände der persönlichen Tagebücher, die bis zu seinem Tod unveröffentlicht geblieben waren.

Autor

Giorgos Seferis (1900—1971), geboren als Grieche im Osmanischen Reich, verbrachte seine Kindheit in Smyrna (Izmir) und dem Fischerdorf Skala, im Spannungsfeld zwischen urbanem Bildungsbürgertum und traditioneller Alltagskultur. Durch die Vertreibung der Griechen aus Kleinasien 1922 verlor er den geografischen und kulturellen Raum, dem er sich zugehörig fühlte. Nach einem Jurastudium in Paris begann er eine Diplomatenlaufbahn, die ihm eine dauernde Mobilität abforderte. Als »Diener zweier Herren«, der Dichtung und der Diplomatie, konnte er auch nach Kriegsende nicht an einem Ort bleiben. Erst nach dem letzten Botschafterposten in London, inzwischen über 60 Jahre alt, zog er sich für das verbleibende Lebensjahrzehnt in sein Athener Haus zurück.

Pressestimmen

»Giorgos Seferis' Tagebuch ist ein bemerkenswertes Zeitzeugnis, dunkel gefärbt, aber weder larmoyant noch weitschweifig, vielmehr konzise und hellsichtig […] von Andrea Schellinger sorgfältig kommentiert und ins Deutsche übersetzt.« (Tobias Lehmkuhl, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Auszug

Kommt man nach Griechenland, fühlt es sich nicht so an, als gehe man einfach weiter, nein, es ist, als ersteige man Stufen, als trete man über eine Schwelle. Es ist eine andere Welt, auf einer anderen Ebene. Heute früh der östliche Zipfel von Hydra, danach Poros, der Berg von Ägina wie ein Dorn hinter dem Kap, und dann mit dem Fernglas die Akropolis. Ich war, meine ich, der erste, der sie erkennen konnte. Alle an Bord, Ausländer und Griechen, Soldaten und Offiziere, die ganze Besatzung, alle standen sie in gänzlichem Schweigen still, von einem Ende des Schiffs bis zum anderen, und es war wie in einem Konzertsaal, wenn der Dirigent seinen Taktstock auf das Pult schlägt.
Heute sind es genau dreieinhalb Jahre seit meiner Flucht aus Piräus am 22. April 1941.
Der schönste, der unbeschwerteste Tag der Welt.
(Sonntag, 22. Oktober 1944)

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